geistliches Wort

„Mein Gott, du bist schön und prächtig geschmückt. Licht ist dein Kleid, das du anhast.“ Psalm 104,1+2

Liebe Leserin, lieber Leser,

Im Frühjahr erwacht die Natur und mit ihr die Schönheit. Nach dem Dunkel und der Erstarrung des Winters kommt das Leben auf uns zu.

Die Natur braucht Zeit dafür. Die Pflanzen kommen langsam hervor. Das Lebensnotwendige muss gegeben sein. Die Sonne sorgt dafür, dass genug Licht und Wärme da sind und es braucht auch Zeit zum Wachsen und zum Entfalten.

Sich Zeit nehmen zum Wachsen, zum Zurückkehren ins Leben. Wo gibt es noch Grenzen, auch von außen gesetzte Grenzen, die wir einhalten sollten. Nicht zu schnell zu viel wollen. Sondern mit Sorgfalt und Geduld das Aufwachsen lassen, was uns zum Leben führt.

Wahrscheinlich wird es noch länger als die Frühjahrszeit dauert, bis wir wieder zur Normalität finden werden, aber wir machen uns langsam auf den Weg, neu das Leben zu ergreifen und zu gestalten.

Bleiben Sie behütet

Ihr Pastor Wolfram Glindmeier

Getrennt gemeinsam geht es noch ein Weilchen weiter. Dass wir seit vielen Tagen über Gebet bei Kerzenschein hinaus tagsüber so viel mehr Licht genießen, tut uns allen gut. In Psalm 36 steht: „Bei Dir, Gott, ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht.“                                          Herzlich Grüße, Ihre Pastorin Almuth Jürgensen

Osterlicht

Es war schon eine eigenartige Stimmung am frühen Ostermorgen in unserer Kirche. Wo wir uns in den vergangenen Jahren immer mit einer großen Runde früh morgens um 6 Uhr vor dem Sonnenaufgang versammelt hatten, waren wir nur noch in einem ganz kleinen Kreis. Wie immer haben wir mit der aufgehenden Sonne das Osterlicht entzündet. Ein Vikar hat das Licht hereingetragen, und wir haben die Lesung aus dem Matthäusevangelium  gehört. Nachdem die Osterkerze ihren Platz  bekommen hatte, wurden die Kerzen auf dem Altar entzündet. Dann blieb Raum und Zeit, um zu beten und Gott um seinen Segen zu bitten.

Eine geheimnisvolle Stimmung war es an diesem frühen Morgen. Es war  tröstend: Dieses Licht zu erleben, das in der Dunkelheit langsam erleuchtet. Es ist das Licht der Auferstehung. Es gibt uns die Hoffnung, dass nicht Krisen oder Tod am Ende stehen, sondern wir auf Gottes Licht zugehen. Daran lasst uns denken. Darauf lasst uns vertrauen, auch wenn die Dunkelheit uns weiter umgibt.

Mit herzlichen Ostergrüßen:

Hans Kilian, Pastor. 

Jeden Abend, wenn die Dämmerung kommt, spielt die ältere Mitbewohnerin einer Wohnanlage auf ihrer Hammond-Orgel dieses Lied. Durch die maximale Lautstärke und durch ihr offenes Fenster können alle, die ihren Kopf ins Freie stecken oder auf den Balkon treten, den Klängen lauschen. Manche stimmen ein – mit verhaltener Stimme:

„Wie ist die Welt so stille
Und in der Dämm'rung Hülle,
So traulich und so hold,
Gleich einer stillen Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer, 
Verschlafen und vergessen sollt.“

(Strophe 2
von Matthias Claudius,
1779)

Ein leises Ostern haben wir gefeiert, wie eingehüllt. In nachdenklichen Tönen über die Verletzlichkeit nachgedacht – uns aber auch von der Hoffnung auf das Licht anstecken lassen. Bemerkt, was an diesem Osterfest uns schmerzlich fehlte - aber auch Oster-Rituale gewürdigt, die uns das Herz aufgehen lassen: Eier mit Bemalung, der Duft des Osterbrotes, die Kraft des Lebens aus einer simplen Tulpenzwiebel, die freien Vögel am Himmel.

Nach Ostern ist es nun, als wenn die Welt etwas weiter erwacht.
In dieser Hoffnung: Gottes Segen mit Ihnen allen!

Ihre Pastorin Almuth Jürgensen

Karikatur: Michael Hüter, Bochum

Wo findet sich das Osterlicht? In diesem Jahr? An diesem Ostermorgen?

Vielleicht wird Ihnen das gemeinsame Oster-Eiersuchen mit der ganzen Familie fehlen. Oder der Kurzurlaub, der eine Auszeit vom Alltag versprochen hatte. Endlich gemeinsame Zeit mit der Familie. Vielleicht werden Ihnen aber auch die österlichen Jubellieder fehlen.

Stattdessen eine andere Auszeit. Sie hat für jede und jeden eine eigene Bedeutung. Ein jeder von Ihnen kann sicherlich seine eigenen Geschichten der letzten Wochen erzählen: Vom Daheimsein, vom Alleinsein, vom Abstandhalten, vom ganz anderen Familienleben.

Die Verletzbarkeit des Lebens und der Tod sind nicht einfach wegzudiskutieren in dieser Zeit. Vielmehr suchen sie unsere Gesellschaft unvorbereitet heim. Für mich passt das nur schwer zusammen, die gegenwärtig entsprießende Fülle der Natur und gleichzeitig nicht zu wissen, wie die nächsten Wochen aussehen werden.

Ohne den Tod, ohne das Dunkel der Nacht ist die Hoffnung von Ostern nicht zu denken. Heute nicht und früher nicht. Der beste Zuspruch hilft nichts, wenn die Zeit nicht reif dafür ist, dass Menschen ihren Lebensmut und ihr Sinnvertrauen wiederfinden sollen.

Ostern erinnert daran, dass es solche Zeiten gibt, in denen Lebensmut kommt. Erinnert an die Erfahrung der Jünger: Jesus ist über den Tod hinaus lebendig. Im leeren Grab, im Weinen, in der Angst findet sich das Osterlicht. Plötzlich und ganz unverhofft ist alles voller Sinn. So erzählt es die Bibel.

Auf der Osterkerze in der Stockelsdorfer Kirche ist ein Ring bunter Hände abgebildet. Sie zeigen die vielen verschiedenen helfenden Hände, die auch hier bei uns in Stockelsdorf schon immer da sind. Oftmals helfen sie ganz unscheinbar. In den letzten Wochen sind sie vielleicht noch sichtbarer geworden. Sie zeugen von dem österlichen Mut, der nie aufgeben, sondern dem Leben vertrauen lässt.

Diesen österlichen Mut schenke Gott uns allen.

Ihr Vikar Alexander Dietz

„Die Nacht, in der das Fürchten wohnt,

hat auch die Sterne und den Mond.“

Dieses kleine Gedicht der Lyrikerin Mascha Kaleko unter dem Titel „Nachts“ begegnete mir im meinem Fasten-Kalender vor einigen Tagen. Ja,- dunkel wirkt es rund um uns herum in diesen Corona-Tagen. Das Fürchten ist groß geworden in dieser Zeit,- die Ungewissheit,- die Angst,- das Zweifeln und Fragen.

Doch das können wir auch finden in der Nacht: die Sterne und den Mond. Je dunkler es wird, umso mehr kann man sie hier und da scheinen und leuchten sehen. Sicher: Man muss genau hingucken. Manchmal auch geduldig warten, bis sich Wolken wegschieben. Aber sie sind da.

Es sind die anderen Erfahrungen, die uns auch begegnen: Manches kleine, aufmunternde Wort, wo wir es gar nicht erwarten. Menschen, die helfen und unterstützen, wo es nötig ist. Oder andere, die mit neuen, aufmunternden Ideen über das Internet das Leben auch in diesen Tagen versuchen, erträglicher zu gestalten.

Es lohnt sich, genau hin zu gucken und darauf zu achten.

In der Nacht des Fürchtens finden sich immer wieder Spuren des Lichtes. 

Hans Kilian, Pastor

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